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Georg Herold, Genetischer Eingriff in die Erbmasse bei Fr. Herold, 1945/85
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© Kunsthaus Graz, Landesmuseum Joanneum in Kooperation mit Nokia, ico»mobile.guide © icomedias.com
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Georg Herold, Genetischer Eingriff in die Erbmasse bei Fr. Herold, 1945/85
Herolds Werk umfasst Zeichnung, Malerei, vor allem Skulptur, aber auch Video. Als großer Skeptiker stellt er traditionelle Ausdrucksformen der Kunst in Frage und erstellt seine Skulpturen, die er „Zeichnungen” nennt, nur aus gefundenen und fast unbearbeiteten Materialien wie Dachlatten, Ziegelsteinen und Draht. Im Unterschied zur Arte Povera, die den einfachen Materialien eine gewisse Schönheit und Poesie zugesteht, reduziert Herold die Materialien wieder auf ihre simple, symbolfreie Funktion und rechnet dabei kritisch und ironisch mit der Gesellschaft, der Politik und der modernen Kunst ab.

Die Arbeit Genetischer Eingriff in die Erbmasse bei Fr. Herold ist aus den für Herold typischen Fundstücken zusammengestellt. Sie zeigt eine Himmelsleiter aus Drahtgeflecht, deren Struktur eine einfache Doppelhelix vor einer Zeitschiene darstellt und offenbar diejenige seiner Mutter ist. Im Jahr 1945 kommt die erste Holzlatte in ihr Genom und beschreibt das Kriegsende als Eingriff in die biologische Struktur. Ob dieser Eingriff auf ein außergewöhnlich freudiges Freiheitsgefühl oder auf das Gefühl der Niederlage zurückzuführen ist, bleibt beim Betrachter dahingestellt. Ob sich Frau Herold, also auf der west- oder ostdeutschen Seite befunden hat, erfahren wir nicht. Das ist wohl Teil der kalten, aber wahren Ironie, mit der Herold mit seiner Geschichte aber auch mit den wissenschaftlichen Errungenschaften zur Erklärung des Lebens abrechnet.
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